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Zuletzt vor 7 Monaten aktualisiert.

Die Stresstheorie nach Selye, auch transaktionales Stressmodell genannt, verdeutlicht die biologischen Ursachen von Stress und deren einhergehende Mechanismen. Hans Selye betont dabei den Nutzen für uns Menschen als überlebenswichtige körperliche Reaktion. Die Stresstheorie nach Selye verläuft dabei in drei Phasen: Alarmreaktion, Widerstandsphase und Erschöpfungsphase. Selye weist ferner daraufhin, dass Stress nicht immer negativ sein muss.

Die Phasen der Stresstheorie nach Selye

Dieses Stressmodell bildet die Anpassungsreaktion des menschlichen Körpers auf ein Ereignis ab.

1. Alarmreaktion

Durch ein Ereignis wird unserer Gehirn stimuliert, dass jetzt ein besonderes Leistungspotential benötigt wird. Der Körper gerät in einen Art Schockzustand. Dadurch werden verschiedene biomechanische Prozesse ausgelöst. So kommt es zur Aktivierung des Sympathikus, eines Teils des Nervensystems, und zu einer Ausschüttung von Hormonen (Noradrenalin und Adrenalin).

Folgende körperliche Reaktionen können durch die Aktivierung des Sympathikus auftreten:

  • Verengung der Blutgefäße
  • daraus resultierend Gänsehaut
  • verlangsamte Magen-Darm-Tätigkeit
  • Pupillenerweiterung
  • Bronchialerweiterung

Durch die Ausschüttung der Hormone können folgende Reaktionen auftreten:

  • erhöhte Muskeldurchblutung
  • Verengung der inneren Organe
  • erhöhter Blutdruck
  • erhöhte Sauerstoffversorgung

Dadurch ist unser Körper in Alarmbereitschaft. Das ermöglicht es uns aber auch Höchstleistungen zu bringen.

2. Widerstandsphase

Die Anpassungsleistung Ihres Körpers ist hier optimal. Bei länger andauernden Stressreaktionen steuert der Parasympathikus gegen und schwächt damit die Wirkung des Sympathikus ab. Die Hormone hingegen werden konstant hoch ausgeschüttet.

3. Erschöpfungsphase

In dieser Phase kommt es zu Problemen mit der Energiezufuhr. Die ausgleichende Wirkung von Erregung und Gegensteuerung arbeitet nicht mehr optimal. Dadurch kann es neben der Erschöpfung zu folgenden Symptomen kommen:

  • Schwächung der Immunabwehr
  • Gewichtsverlust
  • psychosomatische Störungen
  • Herz- und Nierenkrankheiten
  • Entzündungen
  • Allergien

Stress ist nicht immer negativ

Hans Selye wies als erster daraufhin, dass Stress nicht immer nur negativ ist. Evolutionär gesehen war Stress durchaus wichtig für die Entwicklung des Menschen. Selye unterscheidet zwischen Eustress und Distress.

Eustress

Eustress leitet sich ab vom griechischem „eu“ für gut. Es ist der positive und angenehme Stress. Er ermöglicht uns Menschen Höchstleistungen zu bringen und erleichtert damit Erfolgserlebnisse. Noradrenalin ist der biochemische Hauptakteur. Damit erleichtert er die Ausschüttung von Glückshormonen wie Endorphin und Serotonin.

Distress

Distress leitet sich ab vom lateinischem „dis“ für schlecht. Dieser Stress wird als negativ empfunden. Er versetzt den Körper langfristig in einen Kampf-oder-Flucht-Modus. Mittelfristig führt die dauernde Ausschüttung der Adrenalinarten zu Überforderung, Leistungsabfall oder auch Erkrankungen.

Dieser negative Stress wird aber nicht nur durch Überforderung ausgelöst. Genauso gut kann Unterforderung oder auch monotone, kaum herausfordernde Arbeit Stress erzeugen und die oben genannten Stressreaktionen auslösen. Anhand der Grafik können Sie erkennen, dass eine optimale Leistungsfähigkeit im mittlerem Stressniveau liegt. Diese kann aber von Mensch zu Mensch variieren. Vergleichen Sie hierzu auch das Stressmodell nach Lazarus.

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