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Konflikte sind ein fester Bestandteil des menschlichen Lebens. Sie können im privaten Bereich zwischen Familienmitgliedern, Freunden oder Partnern auftreten, aber auch im beruflichen Kontext zwischen Kollegen, Abteilungen oder Unternehmen. In den meisten Fällen lassen sich Konflikte durch Kommunikation und gegenseitiges Verständnis lösen. In einigen Fällen ist jedoch eine professionelle Unterstützung notwendig, um eine friedliche und nachhaltige Lösung zu finden.

Mediationen sind außergerichtliche Verfahren zur Konfliktlösung, bei dem ein neutraler Dritter, der Mediator, die Parteien unterstützt, miteinander zu kommunizieren und eine gemeinsame Lösung zu finden. Der Mediator ist kein Richter und entscheidet nicht über den Konflikt. Er ist vielmehr ein Prozessbegleiter, der den Parteien hilft, ihre Bedürfnisse und Interessen zu artikulieren, die Position des anderen zu verstehen und Kompromisse zu finden.

Geschichte der Mediation

Die Mediation hat eine lange Geschichte, die bis in die Antike zurückreicht. In vielen Kulturen wurden und werden Mediatoren eingesetzt, um Konflikte zwischen Familien, Clans oder Stämmen zu lösen. In der westlichen Welt wurden sie im 20. Jahrhundert wiederentdeckt und weiterentwickelt. In den USA und Kanada sind Mediationen seit den 1970er Jahren ein fester Bestandteil des Rechtssystems, in Europa haben sie in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen.

Mediationen – eine Definition

Die Definition ist in der Wissenschaft nicht einheitlich. Eine gängige Definition lautet:

Mediation ist […] ein strukturiertes Verfahren, bei dem die Parteien mit Hilfe eines […] oder mehrerer Mediatoren freiwillig und eigenverantwortlich eine einvernehmliche Beilegung ihres Konflikts anstreben.

BmJ 2022

Die Mediation basiert auf folgenden Grundprinzipien:

  • Neutralität und Allparteilichkeit: Der Mediator ist neutral und allparteilich. Er vertritt keine der Parteien und hat kein eigenes Interesse an dem Ausgang der Konfliktbewältigung.
  • Vertraulichkeit: Mediationen sind vertraulich. Alle Informationen, die ausgetauscht werden, dürfen nicht an Dritte weitergegeben werden.
  • Selbstbestimmung: Die Parteien entscheiden selbst über den Ausgang der Mediation. Der Mediator drängt ihnen keine Lösung auf.

Anwendungsbereiche

Mediationen können in einer Vielzahl von Konflikten eingesetzt werden, z. B. in:

  • Privatbereich: Familienkonflikte, Nachbarschaftskonflikte, Partnerschaftskonflikte
  • Berufsbereich: Konflikte am Arbeitsplatz, Tarifverhandlungen, Wirtschaftskonflikte
  • Öffentlicher Bereich: Nachbarschaftskonflikte, Umweltkonflikte, politische Konflikte

Ziele

Die Ziele der Mediation sind vielfältig und können je nach Konflikt und den Bedürfnissen der Konfliktparteien variieren. Zu den häufigsten Zielen gehören:

  • Erreichung einer gemeinsamen Lösung: Sie sollen den Konfliktparteien dabei helfen, eine gemeinsame Lösung zu finden, die für alle Beteiligten akzeptabel ist.
  • Verbesserung der Kommunikation: Die Mediation kann die Kommunikation zwischen den Konfliktparteien verbessern und dazu beitragen, dass sich die Parteien besser verstehen.
  • Verringerung von Spannungen: Sie können dazu beitragen, die Spannungen zwischen den Konfliktparteien zu verringern und ein Klima der Zusammenarbeit zu fördern.
  • Erhaltung der Beziehung: Die Mediation kann dazu beitragen, die Beziehung zwischen den Konfliktparteien zu erhalten oder zu verbessern.

Ablauf

Der Ablauf kann in verschiedene Phasen unterteilt werden:

Einleitung

  • Die Parteien und der Mediator / die Mediatoren treffen sich zum ersten Mal.
  • Der Mediator erklärt den Ablauf der Mediation und die Rolle der Parteien.
  • Die Parteien vereinbaren die Spielregeln für die Mediation.
  • Ein Vertrag für die Mediation wird abgeschlossen.

Informationsphase

  • Themen werden gesammelt und vorläufig bewertet.
  • Die Parteien stellen ihre Standpunkte und Interessen dar.
  • Übereinstimmungen und Meinungsverschiedenheiten werden herausgearbeitet.
  • Der Mediator stellt Fragen und fördert das gegenseitige Verständnis.
  • Der Mediator fasst die wichtigsten Punkte zusammen.
  • Die Reihenfolge für die Bearbeitung der Themen wird festlegt.

Interessenklärung

  • Die für die Problembearbeitung wesentlichen Informationen werden zusammentragen.
  • Die unterschiedlichen Sichtweisen werden darlegt und es wird ein Verständnis für diese entwickelt.
  • Die Parteien erarbeiten ihre Bedürfnisse und Interessen hinter den Positionen.
  • Der Mediator unterstützt die Parteien, die gemeinsamen Interessen zu erkennen.
  • Eine Grundlagen für eine Entscheidungsfindung wird erarbeitet.

Lösungsoptionen

  • Die Parteien entwickeln gemeinsam verschiedene Lösungsoptionen.
  • Eine Prüfung und Erörterung möglicher Konfliktregelungen im Hinblick auf bestehende Umsetzungsmöglichkeiten.
  • Der Mediator unterstützt die Parteien bei der Bewertung der Optionen.
  • Vorläufige oder Teillösungen werden erprobt.
  • Eine Gesamtvereinbarung wird entworfen.

Vereinbarung

  • Die Parteien einigen sich auf eine Lösung.
  • Die Vereinbarung und deren Überprüfung wird schriftlich festgehalten.
  • Es erfolgt ein verbindlicher Vertragsschluss.

Dauer

Die Dauer kann stark variieren, in der Regel dauern Mediationen zwischen zwei und fünf Sitzungen.

Methoden

Mediationen basieren auf einer Vielzahl von Methoden, die je nach Konflikt und den Bedürfnissen der Konfliktparteien ausgewählt werden. Zu den häufigsten Methoden gehören:

  • Verhandlung: Der Mediator unterstützt die Konfliktparteien dabei, ihre Positionen zu verhandeln und eine gemeinsame Lösung zu finden.
  • Kommunikationstraining: Mediatoren können den Konfliktparteien helfen, ihre Kommunikationsfähigkeiten zu verbessern und sich besser zu verstehen.
  • Problemklärung: Der Mediator unterstützt die Konfliktparteien dabei, die eigentlichen Probleme des Konflikts zu identifizieren und Lösungen zu finden.
  • Interessenklärung: Mediatoren unterstützen die Konfliktparteien dabei, ihre Interessen zu identifizieren und zu verstehen.

Vorteile

Mediation bietet eine Reihe von Vorteilen gegenüber anderen Formen der Konfliktlösung, z. B.:

  • Schnelligkeit: Mediationen sind in der Regel schneller als ein Gerichtsverfahren.
  • Kostengünstigkeit: Mediation ist in der Regel kostengünstiger als ein Gerichtsverfahren.
  • Vertraulichkeit: Mediationen sind vertraulich, d. h. die Inhalte der Gespräche werden nicht an Dritte weitergegeben.
  • Selbstbestimmung: Die Konfliktparteien selbst bestimmen die Lösung für ihren Konflikt.
  • Nachhaltigkeit: Die durch Mediation gefundenen Lösungen sind in der Regel nachhaltiger als gerichtlich erzwungene Lösungen.

Kritik

Mediationen sind nicht frei von Kritik. Kritiker bemängeln unter anderem:

  • Mangelnde Durchsetzungskraft: Mediationen sind ein freiwilliges Verfahren. Wenn eine Partei nicht bereit ist, an der Mediation teilzunehmen, kann sie nicht gezwungen werden.
  • Machtungleichgewichte: In einigen Fällen kann es zu Machtungleichgewichten zwischen den Parteien kommen. Dies kann dazu führen, dass eine Partei die andere Partei unter Druck setzt.
  • Komplexität: In komplexen Konflikten kann die Mediation überfordert sein.

Wirksamkeit

Die Wirksamkeit der Mediation ist durch eine Reihe von Studien belegt. Studien zeigen, dass Mediationen zu einer Steigerung der Zufriedenheit der Konfliktparteien, einer Verbesserung der Kommunikation und einer Verringerung der Kosten führen kann.

Neben den oben genannten Vorteilen kann Mediation auch noch folgende positive Auswirkungen haben:

  • Stärkung der Eigenverantwortung: Sie können die Eigenverantwortung der Konfliktparteien stärken und dazu beitragen, dass sie selbst Lösungen finden.
  • Verbesserung der Konfliktkultur: Die Mediation kann dazu beitragen, die Konfliktkultur in Unternehmen und Organisationen zu verbessern.
  • Verringerung der Gerichtskosten: Sie können dazu beitragen, die Gerichtskosten zu verringern.

Mediatoren

Um Mediationen effektiv zu nutzen, ist es wichtig, den richtigen Mediator zu finden. Der Mediator sollte über die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen und den Konfliktparteien neutral gegenüberstehen.

Rollen und Verantwortungen des Mediators

Der Mediator ist ein neutraler Dritter, der den Konfliktparteien hilft, eine gemeinsame Lösung zu finden. Der Mediator ist nicht verantwortlich für die Lösung des Konflikts, sondern er unterstützt die Konfliktparteien dabei, selbst eine Lösung zu finden. Mediatoren haben keinerlei Entscheidungskompetenz.

Qualifikation von Mediatoren

Es gibt keine einheitlichen Qualifikationsstandards für Mediatoren. Mediatoren können eine Vielzahl von Ausbildungen, Weiterbildungen oder Berufserfahrungen vorweisen.

In Deutschland gibt es eine Reihe von Organisationen, die Mediatoren ausbilden und zertifizieren. Die Zertifizierungen dienen der Qualitätssicherung und stellen sicher, dass Mediatoren über die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.

Quellen


Buchempfehlungen

Gewaltfreie Kommunikation in der Mediation

von Lösungen finden durch empathische Präsenz

In dem Buch geht es um den Einsatz von Marshall Rosenbergs Gewaltfreier Kommunikation (GFK) in der Mediation. Erfahrene MediatorInnen beschreiben, wie sie diese Ansätze und Methoden in ihrer Konfliktarbeit einsetzen.

Auch Schwierigkeiten und offene Fragen kommen zu Wort. Die „empathische Präsenz“ spielt in diesem Mediationsansatz eine besondere Rolle. Denn sie ist eine Grundhaltung der MediatorInnen und sie ermöglicht den Konfliktparteien, gegenseitig ihre Gefühle und Bedürfnisse einfühlsam zu verstehen. Wenn es gelingt, durch dieses Nadelöhr der Konfliktvermittlung hindurchzukommen, dann orientiert sich die Suche nach Lösungen an den „eigentlichen“ Anliegen der Streitparteien.

Der Konflikt weiß alles besser!

World Work, Quantenphysik und Mediation von Max Schupbach, Renata Bauer-Mehren, Anja Köstler, Brigitte Gans, Erwin Ruhnau (Herausgeber) und dem Bundesverband für Mediation e.V. (Mitherausgeber)

Max Schupbach arbeitet mit seinem Ansatz des „World Work“ in Spannungsgebieten auf der ganzen Welt sowie in Organisationen, Teams und Gruppen. Dieser Ansatz wurde auf der Grundlage der Prozessarbeit Arnold Mindells entwickelt. Er geht davon aus, dass der Konflikt selbst bereits einen Lösungsweg darstellt, und er führt sehr schnell zu hilfreichen Handlungen auch bei langwierigen Konflikten. World Work ermöglicht nicht nur ein ganzheitliches Verständnis von Konflikten, sondern eröffnet Handlungsmöglichkeiten, die in der Mediation bisher nicht verfügbar waren. Dabei überträgt World Work Gesetzmäßigkeiten der Quantenphysik auf das Feld der Kommunikation und die darin wirksamen Kräfte. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Erweiterung der Wahrnehmung der MediatorInnen bzw. FacilitatorInnen, insbesondere für die Kräfte und Rollen im Feld sowie für die unbewussten Signale.

Der Band führt in die konzeptionellen Grundlagen von World Work ein und beschreibt auf dieser Basis neue Zugänge in der Mediation. Neben Falldarstellungen und Übungsanleitungen werden Arbeitsweisen und Konzeptionen von World Work und Mediation in ihren Unterschieden, ihren Gemeinsamkeiten und Ergänzungen dargestellt.

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